Warum sieht man im Spiegel Links - Rechts seitenverkehrt?

(aber nicht Oben - Unten)


Nun, wie man im folgenden Bild sieht ist das liegende Männchen genau so seitenverkehrt, nur dass hier Links und Rechts in Richtung Oben und Unten des Spiegels als seitenverkehrt erscheint. Ganz offensichtlich registrieren wir immer jene Richtung als seitenverkehrt wo sich bei einem Objekt gerade die Links-Rechts Achse befindet.


Bild 1


Im Prinzip vertauscht der Spiegel ja auch nicht Links und Rechts sondern er vertauscht durch die Umkehrung der Lichtstrahlen Vorne und Hinten.
Tatsächlich sehen wir also im Spiegel immer die Richtung normal auf die Ebene des Spiegels als umgekehrt.

Wollte man so aus dem Spiegel heraus schauen wie wir unser Spiegelbild herausschauen sehen, so müssten wir uns ja um eine Achse drehen, womit auch unsere Links-Rechts Achse vertauscht würde, so wie es im Bild 1 rechts neben dem Spiegel (A) dargestellt ist. Dagegen bleibt in der Ebene des Spiegels alles dort wo es ist. Das Spiegelbild ist also deswegen seitenverkehrt weil sich nur eine Richtung im Spiegelbild ändert. Wenn wir uns dagegen um eine Achse drehen so ändern sich immer die Richtungen der beiden anderen Achsen. Wenn wir uns um 180 Grad um unsere Längsachse drehen, so wird Vorne mit Hinten vertauscht aber Links mit Rechts eben auch. Im Spiegelbild wird aber nur Vorne mit Hinten vertauscht.
Das Spiegelbild ist also im Prinzip deshalb seitenverkehrt weil nur die Richtung einer Achse (Vorne-Hinten) vertauscht wird.

Interessant ist nun freilich dass uns immer die Links-Rechts Achse als seitenverkehrt erscheint ganz unabhängig davon in welcher Richtung sich die Links-Rechts Achse gerade befindet.
Offensichtlich denken wir uns unbewusst ein Objekt (bzw. uns selbst) immer so um eine Achse gedreht so dass die Links-Rechts Achse im Spiegel seitenverkehrt dazu ist.

An Objekten wo es kein Links und Rechts gibt registrieren wir normalerweise überhaupt nicht dass sie seitenverkehrt im Spiegel erscheinen.

Der Umstand dass die Vorne-Hinten Richtung (normal auf die Ebene des Spiegels) im Spiegel umgekehrt erscheint während die Links-Rechts Richtung (Querrichtung des Spiegels) genau so gleich bleibt wie die Oben-Unten Richtung ist uns freilich im allgemeinen nur wenig bewusst.


Das ganze Spiegelbild ist seitenverkehrt
Wir registrieren seitenverkehrt offensichtlich immer nur an einzelnen Objekten,
tatsächlich ist aber immer das ganze Spiegelbild seitenverkehrt.
 


Bild 2


In Bild 2 sind wieder in gleicher Weise die beiden Männchen und ihr Spiegelbild dargestellt. Wenn man nun ein Foto von den Männchen von vorne macht und dieses Foto um die senkrechte Achse dreht so sieht dieses Foto so wie es in Bild 2 rechts unten (B) dargestellt ist, aus. Das Foto als ganzes ist zum Spiegelbild seitenverkehrt, wir registrieren seitenverkehrt aber nur an den einzelnen Männchen wie rechts oben im Bild (A). Beim Drehen um die senkrechte Achse dreht sich die Vorne-Hinten Achse um 180 Grad, die Quer-Achse aber auch. 
Das stehende Männchen wird um seine Längsachse gedreht, wie beim Gesamtbild ändern damit die Vorne-Hinten Achse und die Links-Rechts Achse ihre Richtung.
Das liegende Männchen dreht sich dabei um seine Links-Rechts Achse und es wird neben der Vorne-Hinten Achse auch die Oben-Unten Achse des Männchens um 180 Grad gedreht. 
Bei einem um seine Achse gedrehten Foto stimmt natürlich zwangsläufig alles, es ändern immer zwei Achsen ihre Richtung.

Wenn man das Foto um seine waagrechte Achse um 180 drehen wollte (C) stimmt natürlich auch alles, nur das eben ein Männchen auf den Kopf gestellt ist. Nachdem wir nicht auf dem Kopf gestellt herum laufen erscheint uns das zwar eigenartig, rein geometrisch ist das aber gleichwertig.
Da im Spiegel ja Vorne und Hinten vertauscht ist, kann man natürlich erst recht auch diese Richtung als seitenverkehrt ansehen.
Man sieht hier dass in Wirklichkeit immer das ganze Spiegelbild seitenverkehrt ist, wobei man es sich aussuchen kann in welche Richtung man das Spiegelbild als seitenverkehrt ansehen will.
Tatsächlich registrieren wir aber immer die Links-Rechts Achse einzelner Objekte als seitenverkehrt und das auch nur an Objekten bei denen eine Links-Rechts Achse definierbar ist. Nachdem wir also nur einzelne Objekte, bei denen eine Links-Rechts Achse definierbar ist, als seitenverkehrt registrieren, nicht aber am Rest eines Bildes, erscheint uns das Spiegelbild wohl tatsächlich als etwas eigenartig.

Den gleichen Effekt haben wir wenn wir im Rückspiegel eines Autos ein anderes Auto sehen. Wir registrieren nur am Auto dass es seitenverkehrt ist nicht aber an dessen Umgebung. Denn wenn wir ein Foto von dem machen wollten was wir im Rückspiegel sehen und es neben den Spiegel halten so wäre wieder das ganze Spiegelbild seitenverkehrt. Oder wenn wir uns umdrehen um das was wir im Spiegel sehen direkt zu sehen, so drehen wir uns um unsere Längsachse und unser persönliches Vorne-Hinten aber auch unser persönliches Links-Rechts wird vertauscht. Bezogen auf uns hat sich damit auch die Links-Rechts Achse des Bildes geändert.
An einem Auto das wir im Rückspiegel sehen registrieren wir dass es seitenverkehrt ist, dagegen registrieren wir dies an der Umgebung nicht, wir registrieren nur dass alles auf der richtigen Seite ist. Auch hier empfinden wir daher das Spiegelbild als etwas eigenartig.


Was bedeutet Links und Rechts genau?

Damit ergibt sich als nächste Frage was Links-Rechts eigentlich genau bedeutet.




Bild 3


Nun das ist eigentlich einfach.
Wenn man bei einem Objekt eine Oben-Unten Achse definieren kann und eine Vorne-Hinten Achse, also diesen beiden Achsen eindeutig eine Richtung zuordnen kann, dann kann man für die dritte Achse Links und Rechts definieren.
Diese Objekte müssen in Richtung Oben-Unten und in Richtung Vorne-Hinten nicht sehr unsymmetrisch sein, wie wir selbst es sind, aber ein Oben und Vorne muss eindeutig definierbar sein.
Meist sind diese Objekte, wir selbst oder z.B. ein Auto, in der Links-Rechts Achse weitgehend symmetrisch, was aber nicht unbedingt Voraussetzung ist. Wenn bei diversen Maschinen oder Gerätschaften ein eindeutiges Oben und ein eindeutiges Vorne existiert, so ist Links-Rechts auch dann definierbar wenn sie in dieser Richtung unsymmetrisch sind.
Bei einem Baum wo es kein Vorne gibt kann man auch Links-Rechts nicht definieren. Bei einem Eisenbahnwagon kann man Links-Rechts auch nicht definieren, man kann Links-Rechts nur für die momentane Fahrtrichtung angeben.
Bei solchen Objekten nehmen wir im allgemeinen im Spiegel auch seitenverkehrt nicht wahr, obwohl sie im Spiegel natürlich genau so seitenverkehrt sind.
Man kann allgemeiner statt von einer Oben-Unten Achse und Vorne-Hinten Achse auch von einer ersten und zweiten Achse sprechen wenn man eine Richtung für beide Achsen angibt. Allerdings darf man die beiden Achsen nicht verwechseln. Denn ein Vertauschen der beiden Achsen, wie es rechts in Bild 3 dargestellt ist (B), würde jemanden entsprechen der auf dem Rücken, mit dem Kopf nach rechts, liegt und dann ist Links und Rechts vertauscht.


Warum kann man im Spiegel jede beliebige Richtung eines Objekts als seitenverkehrt ansehen?

Im Grunde genommen geht dies bereits daraus hervor dass man sich ein Bild um jede Achse gedreht als seitenverkehrt zum Spiegelbild vorstellen kann
(Bild 2, B und C).

    
Bild 4


Man kann es sich aber auch recht gut mit jeweils drei Finger seiner beiden Händen veranschaulichen wenn man mit den drei Fingern beider Hände jeweils ein Achsenkreuz simuliert (Bild 4).
Wenn man die beiden Zeigefinger gegeneinander hält so sieht man die Zeigefinger als spiegelbildlich bzw. seitenverkehrt, während die beiden anderen Finger (näherungsweise) in die gleiche Richtung zeigen. Wenn wir die beiden Mittelfinger gegeneinander halten so sehen wir die beiden Mittelfinger als seitenverkehrt, während die beiden anderen Finger wieder in die gleiche Richtung zeigen. Und wenn man die Daumen gegeneinander hält, so sieht man die beiden Daumen als seitenverkehrt während wieder die anderen beiden Finger in die gleiche Richtung zeigen.
Bei zwei Objekten die zueinander spiegelbildlich sind (bzw. bei einem Spiegelbild) kann man also jede beliebige Richtung als spiegelbildlich bzw. seitenverkehrt ansehen.
Davon dass man bei zwei spiegelbildlichen Objekten (bzw. beim Spiegelbild) jede beliebige Richtung als seitenverkehrt ansehen kann machen wir beim Spiegelbild unbewusst Gebrauch.
Man kann die drei Finger beider Hände übrigens auch beliebig schief zueinander halten, es erscheint uns immer die Richtung zwischen den beiden Händen als spiegelbildlich bzw. seitenverkehrt.
Wir registrieren in diesem Fall aber keine bestimmte Richtung bevorzugt als seitenverkehrt.

Ganz anders verhält es sich wenn man seine beiden Hände wie im folgenden Bild 5 verwendet.

     
Bild 5


Im wesentlichen registrieren wir hier immer die Querrichtung zu den Fingern (die senkrechte Richtung im Bild) als seitenverkehrt unabhängig davon wie wir sie halten.
Im Bild 5 sehen wir schon dass die Längsrichtung der Hände (quer im Bild) spiegelbildlich ist, trotzdem registrieren wir die Querrichtung zu den Fingern (senkrecht im Bild) als seitenverkehrt. Daran ist nichts falsch, denn wie das Beispiel mit den drei Fingern vorher zeigt kann man ja jede Richtung zweier spiegelbildlicher Körper als seitenverkehrt ansehen, es ist aber etwas willkürlich dass wir hier, auf die Hände bezogen, unbewusst immer die gleiche Richtung als seitenverkehrt registrieren.

Welche Eigenschaft haben unsere Hände nun quer zu den Fingern? Nun sie sind quer zu den Fingern immerhin einigermaßen symmetrisch, während sie in den anderen beiden Richtungen, Finger-Handfläche bzw. Handfläche-Handrücken, ausdrücklich unsymmetrisch sind.
Wir registrieren also bei zwei spiegelbildlichen Objekten unbewusst jene Richtung als seitenverkehrt in der, im Gegensatz zu den beiden anderen Richtungen, die Objekte zumindest grob symmetrisch sind.
Oder umgekehrt ausgedrückt wir nehmen jene beiden Achsen in denen zwei spiegelbildliche Objekte ausgesprochen unsymmetrisch sind, unbewusst als Bezugsachsen und die dritte (näherungsweise) symmetrische Achse im Verhältnis dazu als seitenverkehrt.

Das tun wir auch bei uns selbst im Spiegelbild oder z.B. beim Spiegelbild eines Autos auch.
Bei einer Hand ist zwar nicht eindeutig welche Seite der Hand links ist und welche rechts, da ja ein Oben-Unten auch nicht definierbar ist.
Der Umstand dass eine Richtung im Gegensatz zu den anderen beiden Richtungen grob symmetrisch ist reicht aber offensichtlich dass wir immer diese eine symmetrische Richtung als seitenverkehrt registrieren.
Dass bei einem Objekt eine Richtung im Gegensatz zu den beiden anderen Richtungen (näherungsweise) symmetrisch ist, ist vielleicht sogar noch mehr das Kriterium dafür dass wir eine bestimmte Richtung bevorzugt als seitenverkehrt registrieren als wie dass Links-Rechts eindeutig definierbar ist.

Diese Sichtweise ist genau umgekehrt zu den drei Fingern wo wir immer die momentane spiegelbildliche Richtung auch als seitenverkehrt registrieren. Dort wo die drei Richtungen im Prinzip gleich aussehen und auch Links-Rechts nicht definierbar ist, da gibt es auch keine Richtung die wir bevorzugt als seitenverkehrt registrieren.

Zu jedem Körper gibt es genau einen spiegelbildlichen Körper
Das Beispiel mit den drei Fingen bzw. mit den beiden Händen zeigt auch dass man immer den gleichen gespiegelten Körper erhält, ganz gleich in welche Richtung man einen Körper spiegelt. Wie immer man die eine Hand dreht und wendet man kann die zweite Hand immer so halten dass sie der Spiegelung der ersten Hand entspricht.
Das heißt daher auch dass es zu einem Körper immer ganz genau einen spiegelbildlichen Körper gibt.
Auch im Spiegel sieht man dementsprechend immer den gleichen gespiegelten Körper auch wenn man den Körper aus unterschiedlicher Richtung betrachtet.


Zurück zum Spiegelbild

Auch bei unserem eigenen Spiegelbild registrieren wir immer jene Seite als seitenverkehrt die näherungsweise symmetrisch ist, also unsere Links-Rechts Achse. Oder umgekehrt ausgedrückt wir nehmen unsere Achsen wo wir ausdrücklich unsymmetrisch sind, also die Oben-Unten und Vorne-Hinten Achse, als Bezugsachsen und im Verhältnis dazu registrieren wir unsere näherungsweise symmetrische Links-Rechts Achse als seitenverkehrt.




Bild 6


Wir stellen uns unbewusst das stehende Männchen (Bild 6) um eine senkrechte Achse gedreht vor (A) und vergleichen damit das Spiegelbild. Ein um eine waagrechte Achse gedrehtes Männchen (B) wäre aber genau so seitenverkehrt zum Spiegelbild, wenn auch in senkrechter Richtung. Und in Richtung normal auf die Ebene des Spiegels (Vorne-Hinten des Männchens) ist das Spiegelbild erst recht seitenverkehrt zum Männchen vor dem Spiegel, dass ist ja auch die tatsächlich gespiegelte Richtung.

Gleiches gilt für das liegende Männchen. Wir stellen uns das liegende Männchen um eine waagrechte Achse gedreht vor (C), zu einem um eine senkrechte Achse gedrehtes Männchen (D) wäre das Spiegelbild aber genau so seitenverkehrt, nur eben in horizontaler Richtung. Und normal auf die Ebene des Spiegels ist das Spiegelbild
zum davor liegenden Männchen natürlich auch seitenverkehrt.

Es ist dabei völlig gleichgültig in welcher Position wir uns im Verhältnis zum Spiegel befinden.




Bild 7


In Bild 7 ist links ein liegendes Männchen zu sehen. Auch dieses Männchen registrieren wir als Links-Rechts seitenverkehrt. Wir nehmen immer die Oben-Unten und die Vorne-Hinten Achsen des Männchens als Bezugsachsen.
Nur dann wenn wir mit der Seite zum Spiegel stehen oder liegen (Bild 7 rechts) dann registrieren wir jene Richtung als seitenverkehrt die auch tatsächlich spiegelbildlich ist, nämlich die Richtung die normal auf die Ebene des Spiegels ist.
Wie gesagt an dieser unbewussten Vorgangsweise ist nichts falsch, aber es ist eigentlich willkürlich.




Bild 8


Wir vergleichen unbewusst das Spiegelbild des liegenden Männchen (Bild 8) mit einem realen Männchen das um die senkrechte Achse gedreht ist (A) und dann ist tatsächlich die Links-Rechts Achse seitenverkehrt. Man könnte das Spiegelbild auch genau so gut mit einem realen Männchen, das um die waagrechte Achse gedreht ist (B), vergleichen, dann wäre das Männchen im Spiegel in der senkrechten Achse (Vorne-Hinten des Männchens) seitenverkehrt.
Und auch hier ist das Spiegelbild normal auf den Spiegel, also in Richtung der Längsachse des Männchens, zum davor liegenden Männchen seitenverkehrt. Aber das registrieren wir auch hier nicht.

Beim rechten Männchen das mit der Seite zum Spiegel steht nehmen wir die tatsächlich gespiegelte Richtung auch als seitenverkehrt wahr. Auch hier könnte man das Spiegelbild genau so gut mit einem realen Männchen vergleichen das um die senkrechte Achse gedreht ist (C) oder mit einem Männchen dass um die waagrechte Achse gedreht ist (D), dann wäre eben eine andere Achse seitenverkehrt. In diesen Fall tun wir das aber nicht.

Wie gesagt diese unbewusste Vorgangsweise verwenden wir nur bei Objekten bei denen eine Achse im Gegensatz zu den beiden anderen Achsen (einigermaßen) symmetrisch ist, was normalerweise die Links-Rechts Achse ist. Bei unseren beiden Händen tun wir das unbewusst, bei den mit drei Fingern simulierten Achsenkreuz tun wir es nicht.

(Kleines Wortspiel nebenbei: Wir tun hier unwillkürlich etwas Willkürliches. Unwillkürlich in dem Sinne dass es uns nicht bewusst ist warum wir eine bestimmte Richtung als seitenverkehrt registrieren, willkürlich in dem Sinne dass einem diese Vorgangsweise bei näherer Betrachtung eigentlich als etwas eigenwillig erscheinen könnte.)

Man kann das Spiegelbild natürlich auch in jeder beliebig räumlich schiefen Richtung als seitenverkehrt ansehen.
Das kann man sich mit seinen beiden Händen vergegenwärtigen oder man kann sich auch selbst in jeder beliebigen schiefen Position vor den Spiegel stellen, wir registrieren bei uns selbst immer Links-Rechts als seitenverkehrt.
Eine Ausnahme ist vielleicht wenn sich jemand auf den Kopf stellt. Wir können dann nicht ganz automatisch sagen wo links und rechts der betreffenden Person ist und dementsprechend registrieren wir es auch im Spiegel nicht unbedingt.
Weiters kann man es sich aber auch damit vergegenwärtigen dass man das Foto in Bild 2 (B bzw. C) ja um jede beliebige schiefe Achse um 180 Grad drehen könnte. Das Bild wäre dann zu dieser schrägen Achse seitenverkehrt zum Spiegelbild.

Bei einem Objekt können uns sogar zwei verschiedene Richtungen als seitenverkehrt erscheinen
Wenn wir den Kopf zur Seite neigen oder so drehen dass wir zur Seite schauen so registrieren wir beim Kopf die Links-Rechts Richtung des Kopfes als seitenverkehrt während wir beim restlichen Körper die Links-Rechts Richtung des restlichen Körpers als seitenverkehrt registrieren.
Wenn wir den Kopf nach links neigen so ist unser Körper links vom Kopf aus gesehen. Im Spiegel ist es umgekehrt. Aus der Sicht des Körpers ist der Kopf nach links geneigt. Im Spiegel ist es umgekehrt.
Selbst an einem einzelnen Objekt (an uns selbst) registrieren wir also unter bestimmten Bedingungen unterschiedliche Richtungen als seitenverkehrt.
Dies zeigt besonders gut wie subjektiv wir eine bestimmte Richtung als seitenverkehrt registrieren.

Buchstaben und Ziffern
Ganz interessant sind auch Buchstaben und Ziffern.
Viele Buchstaben sind in Richtung Links-Rechts genau so unsymmetrisch wie in Richtung Oben-Unten. Von der Symmetrie her ist es also in dem Fall nicht zu erklären warum wir eine bestimmte Richtung im Spiegel als seitenverkehrt sehen.
Wir wissen aber wo bei einem Buchstaben Oben ist und wir wissen wie ein Buchstabe Links und Rechts aussieht wenn wir das Papier von vorne ansehen.
Unser Seitenverkehrt Sehen beruht zwar hier auch darauf dass wir Links und Rechts registrieren, aber nicht auf einer weitgehenden Symmetrie zwischen Links und Rechts, sondern darauf dass wir wissen wie Links und Rechts aussehen muss wenn wir von vorne auf das Papier sehen und wir auch wissen wo bei einem Buchstaben Oben ist.


    
Bild 9


Das Grundprinzip ist zwar das gleiche, aber die Ursache dafür warum wir eine ganz bestimmte Richtung als seitenverkehrt registrieren ist nicht immer ganz identisch. Es kann eine näherungsweise Symmetrie nur in dieser einen Richtung sein (Hände), aber es kann auch eine bestimmte und bekannte Unsymmetrie in dieser Richtung sein (Buchstaben).

Autos
Autos sind Links-Rechts weitgehend symmetrisch, aber sie haben einen markanten Unterschied, das Lenkrad ist in unseren Breiten immer auf der linken Seite. Diesen markanten Unterschied zwischen Links und Rechts registrieren wir im Spiegel sofort als seitenverkehrt.
Und die Buchstaben und Ziffern am Nummernschild registrieren wir im Spiegel natürlich auch sofort als seitenverkehrt.

Menschen
Wenn wir ruhig vor einem Spiegel stehen so registrieren wir seitenverkehrt bei uns selbst nicht unbedingt, wir sind einfach zu Links-Rechts symmetrisch. Wenn wir uns aber bewegen, etwa eine Hand, dann registrieren wir seitenverkehrt sofort.
Ein gewisses Maß an Unsymmetrie ist also notwendig, denn sonst kann man seitenverkehrt auch nicht registrieren. Bei völliger Symmetrie sind beide Seiten schließlich gleich.

Hände
Zu den Händen wäre noch zu sagen dass wir seitenverkehrt registrieren wenn wir beide Hände nebeneinander betrachten oder eine Hand unmittelbar vor den Spiegel halten. Sonst fällt uns seitenverkehrt bei den Händen im Spiegel allerdings schon nicht mehr auf.

Schränke
Nicht ganz uninteressant ist auch dass wir Schränke im Spiegel nicht als seitenverkehrt registrieren, obwohl diese ein eindeutiges Oben und Vorne haben und damit Links-Rechts eindeutig definierbar ist.
Links und Rechts haben bei Schränken für uns aber praktisch keine Bedeutung, sie stehen ja ohnehin immer an der gleichen Stelle. Sie haben auch kein eindeutiges Merkmal auf einer Seite wie ein Auto, sie können völlig symmetrisch sein aber sie können auch recht unsymmetrisch sein (Türen, Laden). Hätten alle Schränke ein gemeinsames Merkmal, z.B. auf der linken Seite Laden, so würden wir sie vermutlich im Spiegel auch als seitenverkehrt registrieren.
Interessant ist also dass wir seitenverkehrt im Spiegel nicht registrieren wenn
Links-Rechts für uns keine Bedeutung hat und auch kein eindeutiges Merkmal besteht, selbst dann nicht wenn Links-Rechts eindeutig definierbar ist.
Wenn man freilich ganz bewusst einen Schrank mit seinem Spiegelbild vergleicht dann registrieren wir Links-Rechts als seitenverkehrt, aber eben auch nur dann.

Türen und Fenster
Auch bei Türen und Fenstern registrieren im Alltag normalerweise nicht ob sie links oder rechts angeschlagen sind und wir nehmen auch im Spiegel seitenverkehrt nicht wahr. Auch hier hat Links-Rechts für uns kaum eine Bedeutung.
Links angeschlagen heißt übrigens dass die Türangel links ist wenn eine Tür zu einem her aufgeht.  Vorne und Hinten ist zwar bei einer Tür nicht definierbar, aber in welche Richtung sie aufgeht schon.

Auch hier sehen wir, wenn wir eine Tür und das Spiegelbild ganz bewusst vergleichen, die Links-Rechts Richtung als seitenverkehrt.

Andere Objekte
Bei anderen Objekten registrieren wir seitenverkehrt im Spiegel ohnehin nicht.
Wenn wir allerdings ein Objekt ganz bewusst mit seinem Spiegelbild vergleichen so registrieren wir im allgemeinen die Querrichtung im Spiegel als seitenverkehrt, also jene Richtung die wir auch bei uns selbst meist als seitenverkehrt im Spiegel sehen.


Objekte die wir seitenverkehrt und nicht seitenverkehrt sehen 

Im folgenden Bild 10 sind die beiden Männchen mit etwas "Landschaft" dargestellt.

Rechts (A) sieht man wieder was wir registrieren nämlich dass die beiden Männchen seitenverkehrt sind. Dagegen nehmen wir bei der Umgebung wie hier bei einem Baum eben nur wahr dass er auf der richtigen Seite ist.
Tatsächlich ist natürlich das ganze Bild das wir im Spiegel sehen seitenverkehrt, ein Foto von vorne um eine Achse gedreht sieht so aus wie es rechts unten im Bild 10 (B) dargestellt ist.
Ganz ausdrücklich haben wir diesen Effekt auch wenn wir im Rückspiegel eines Autos ein anderes Auto sehen. Beim Auto nehmen wir wahr dass es seitenverkehrt ist, nicht aber bei dessen Umgebung. Bei der Umgebung sehen wir nur dass alles auf der richtigen Seite ist.



Bild 10



Ein Bild von hinten gesehen

In Bild 11 ist dargestellt wenn man ein Foto der beiden Männchen auf durchsichtiges Papier druckt und vor den Spiegel hält. Von hinten betrachtet sieht dieses Foto gleich aus wie das Spiegelbild. Das heißt also ein Foto von hinten betrachtet oder etwa ein auf Glas gemaltes Bild entspricht von hinten betrachtet dem Spiegelbild.
Da man ja das durchscheinende Bild um jede beliebige Achse umdrehen kann, so dass man es von vorne sieht, zeigt dass auch besonders anschaulich dass man ein Spiegelbild um jede beliebige Achse als spiegelbildlich ansehen kann.



 

Bild 11


Schlussbemerkung

Es ist noch zu sagen dass im Zusammenhang mit dem Spiegelbild einige reichlich unsinnige Aussagen auch verbreitet werden.
So wird mitunter behauptet dass Männchen die sich auf einem anderen Planeten ständig auf den Kopf stellen würden um in die Gegenrichtung zu sehen im Spiegel auch auf den Kopf gestellte Männchen sehen würden. Das ist ein fester Unsinn denn das Spiegelbild ist ja deswegen seitenverkehrt weil in der Ebene des Spiegels alles dort bleibt wo es ist. Allenfalls würden sie die Oben-Unten Achse als seitenverkehrt registrieren. Aber das tun wir bei einem liegenden Männchen auch dazu braucht man sich keine abstrusen Männchen auf einem anderen Planeten vorzustellen.

Der gleiche Unsinn ist es wenn mitunter Psychologie für das seitenverkehrte Bild im Spiegel verantwortlich gemacht wird. Wir haben zwar von der Natur nur wenig natürliches Verständnis für die Geometrie des Spiegelbildes mitbekommen, das ist aber nicht eine Frage der Psychologie, es ist eine Frage des Verstehens geometrischer Zusammenhänge.
Auch von einem Spiegelparadoxon zu sprechen macht übrigens nicht viel Sinn, denn das Spiegelbild ist ja durchaus real erklärbar und nachvollziehbar.
Wie gesagt, es ist leider noch einiger weiterer Unsinn als "Erklärung" für das Spiegelbild im Umlauf.
Es sind aber da und dort auch brauchbare Beschreibungen des Spiegelbildes zu finden.

Allenfalls könnte man sich zu recht die Frage stellen warum wir so wenig natürliches Verständnis für das Spiegelbild mitbekommen haben. Aber in der Natur gibt es eben keine Spiegel. Das Verständnis des Spiegelbildes hat im Laufe der Evolution keine Rolle gespielt. Man muss es sich ganz elementar überlegen wenn man diese Zusammenhänge verstehen will.
Man braucht es nur mit dem räumlichen Sehen zu vergleichen, die geringfügig unterschiedliche Perspektive beider Augen setzt sich in unserem Kopf zu einem räumlichen Bild zusammen.
Wir haben auch keinerlei Problem uns ein ebenes zweidimensionales Bild als räumlich, also dreidimensional vorzustellen.

Dort wo es von Vorteil war sind in unserer Evolution, wohl bereits lange vor der Evolution zum Menschen, Fähigkeiten entstanden die erstaunlich sind.
Aber, wie gesagt, das Spiegelbild hat in unserer Evolution eben keine Rolle gespielt. Wir kommen aber mit dem Spiegelbild ja eigentlich auch ganz gut zurecht nur dass wir uns wundern warum wir manche Objekte seitenverkehrt im Spiegel sehen.


Hier ist noch eine ausführlichere Beschreibung wo noch weitere Aspekte des Spiegelbildes behandelt werden.



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21.2.2018               aktualisiert:   8.4.2020

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